

Seit den späten 1980er-Jahren hat der Fotograf Andri Pol, geboren 1961 in Bern, mit seinen Bildern und Bildkolumnen Zeitschriften wie «Das Magazin», «ZEIT Magazin», «Stern» oder «GEO» visuell mitgestaltet. Seine Porträts wirken spontan und zugleich präzise komponiert; seine Reportagen eröffnen überraschende Perspektiven auf gesellschaftliche, kulturelle und politische Realitäten und Identitäten. Mit seinem unverkennbaren Stil und der Fähigkeit, komplexe Themen präzise zu erfassen, zählt Andri Pol zu den eindrucksvollsten Stimmen der zeitgenössischen Dokumentarfotografie.
Das nun erscheinende Buch «Andri Pol – Welt» ist Teil einer umfassenden Gesamtdarstellung seines vielseitigen Werks. Die Reportagen, Porträts und Alltagsbeobachtungen hat Pol rund um den Globus aufgenommen, mit wiederkehrenden geografischen Schwerpunkten unter anderem in der Schweiz, in Japan und in China. Der Bogen spannt sich dabei von frühen Arbeiten bis hin zu aktuellen Langzeit- und Buchprojekten. Rund 700 Abbildungen werden begleitet von Texten des Historikers und Autors Valentin Groebner.
Dieser Band, der im Zusammenhang mit einer grossen Ausstellung in der Fotostiftung Schweiz in Winterthur erscheint, ist eine Einladung zum Staunen, Schmunzeln und Entdecken – visuell klug, nah an der Welt und voller Eigensinn.
Eine Veranstaltung des Verlags Scheidegger & Spiess und Never Stop Reading, anschliessend Buchverkauf und Apero. Der Eintritt ist gratis.


Hoher Besuch im Never Stop Reading! Im Rahmen der «FeelAustria Days», die vom 16 bis 20. September Zürich und seinen Bewohner*innen mit rund 30 Events das österreichische Lebensgefühl näher bringen sollen, besucht uns der bekannte österreichische Comic-Künstler Nicolas Mahler für die rasante Leseperformance «Meine ersten 66 Bücher in 66 Minuten».
In diesem Blitzvortrag seziert der 1969 in Wien geborene Künstler sein gesamtes bislang publiziertes Œuvre – von den Anfängen als Minicomic-Selbstverleger der 1990er-Jahre bis zu seinen aktuellen Graphic Novels wie «Komplett Kafka» oder «Ach die dumme Literatur» für grosse Verlagshäuser, die weltweit übersetzt in 19 Ländern erscheinen. Die 66 Minuten sind vollgepackt mit Bildern, Kurzcomics, Anekdoten, tiefen und seichten Einblicken in den Kulturbetrieb.
Mahler, bekannt für einen reduzierten Zeichenstil, subtilen Humor und seine Adaptionen literarischer Klassiker, publiziert auch in Zeitungen wie «NZZ am Sonntag», «Die Zeit», «Frankfurter Allgemeine Sonntagzeitung» sowie im beliebten Satiremagazin «Titanic». Für sein umfangreiches Werk wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet; unter anderem erhielt er 2010 den Max und Moritz-Preis als «Bester deutschsprachiger Comic-Künstler» und 2015 den Preis der Literaturhäuser. Seit 2024 ist Nicolas Mahler künstlerischer Leiter der Schule für Dichtung Wien.
Eine Veranstaltung von «FeelAustria Days» und Never Stop Reading. Das Ticket kostet 15 Franken inkl. Freigetränk, zu kaufen ist es über diesen Eventfrog-Link.
ACHTUNG: Die Platzzahl ist beschränkt.


Wie lässt sich über Gewalt sprechen, wenn sie nicht als einzelnes Ereignis auftritt? Wenn sie sich wiederholt, verschiebt, an Körpern, Sprache und Erinnerungen haften bleibt und Teil des Alltäglichen wird? Das Buch «sticky violence(s) – a textual exploration of everyday dynamics» setzt bei diesen Fragen an und sucht nach Formen, das schwer Sicht- und Benennbare zu fassen.
Artan Islamajs Publikation bewegt sich zwischen kritischer Theorie, essayistischem und literarischem Schreiben, Fotografie und Korrespondenzen. Persönliche und diasporische Erfahrungen verbinden sich dabei mit Fragen nach Sprache, Erinnerung, Ökonomie, Zugehörigkeit und Macht. Strukturiert entlang des albanischen Alphabets folgt das Buch keiner linearen Erzählung: Begriffe, Beobachtungen, Erinnerungen und Fragmente kehren wieder, überlagern sich und treten miteinander in Beziehung.
Auch die Buchvernissage ist weniger als klassische Lesung denn als gemeinsame Unterhaltung der Anwesenden rund um die Fragen der Publikation gedacht. Ein kurzer Textimpuls aus «sticky violence(s)» eröffnet den Abend, bevor sich der Diskurs – es wird Albanisch, Deutsch und Englisch geredet –, in den Raum verlagert: zum Austauschen, Weiterdenken, Zusammensein. Bei Apéro und Buchverkauf bleibt Zeit, Gespräche aufzunehmen und weiterzuführen.
Der 1996 geborene Autor ist Co-Direktor des Institut Neue Schweiz (INES) und Gründer und Co-Redakteur des Literatur- und Kunst-Zines «zwischentext». In seiner Arbeit bewegt er sich an der Schnittstelle von Politik(en), Sprach(en) und Ästhetik(en) und verbindet postmigrantische, machtkritische Perspektiven mit literarischer und künstlerischer Praxis. «sticky violence(s)» ist seine erste längere Publikation. Er lebt und arbeitet in Zürich.
Eine Veranstaltung von Artan Islamaj und zwischentext in Zusammenarbeit mit Never Stop Reading, anschliessend Buchverkauf und Apéro. Der Eintritt ist gratis.


Der japanische Künstler Kosuke bewegt sich mit seiner fotografischen Praxis bewusst im Spannungsfeld zwischen Hommage, Erinnerung und Neuerfindung. Stark inspiriert von Künstlern wie Man Ray, Mario Giacomelli, Daido Moriyama und André Kertész, greift er auf ikonische Bildsprachen und klassische fotografische Konzepte zurück, ohne aber diese lediglich zu zitieren. Vielmehr versteht er die Geschichte der Fotografie als eine Form von lebendigem Material, das weitergeführt, überlagert und transformiert werden kann.
Das Zentrum von Kosukes Arbeit bildet die analoge Mehrfachbelichtung. Dabei entstehen keine rein technischen Experimente, sondern dichte, emotionale Bildräume, in denen verschiedene Zeitebenen, Perspektiven und Atmosphären ineinanderfliessen. Realität und Erinnerung, Beobachtung und Imagination überlagern sich zu traumähnlichen Kompositionen, die zugleich ruhig, poetisch und geheimnisvoll wirken. Trotz der komplexen Bildstruktur bewahren Kosukes Arbeiten stets die besondere Materialität und stille Würde der analogen Fotografie.
Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten aus der Serie «WARNING» entfalten eine eigentümliche Welt zwischen Melancholie, Absurdität und leiser Spannung. Wiederkehrende Figuren von müssigen Katzen bewegen sich durch urbane Szenerien, Fragmente von Landschaften und beinahe filmische Situationen. Sie erscheinen wie stille Beobachter einer entrückten Realität und verleihen den Bildern eine zugleich leichte und rätselhafte Atmosphäre.
Der grelle, quasi alarmistische Titel steht dabei in bewusstem Kontrast zur Poesie der Werke und öffnet einen Raum für Ambivalenz und Interpretation. Auch deshalb entziehen sich Kosukes Fotografien einer eindeutigen Lesart. Sie funktionieren weniger als dokumentarische Bilder, sondern vielmehr als fragile Erinnerungsräume, in denen sich Vergangenheit, Gegenwart und Vorstellung überlagern.
Kosuke, 1986 in Japan geboren, machte 2009 seinen Abschluss im Photography Department der Tokyo Polytechnic University. Ein Jahr zuvor gewann er den Konica Minolta Premio Preis und hatte infolge dessen eine Einzelausstellung im Konica Minolta Plaza in Tokio.
Eine Veranstaltung der Christophe Guye Galerie und Never Stop Reading, anschliessend Apéro. Der Eintritt ist gratis.Die Ausstellung ist vom 1. bis 24. Oktober zu sehen.


Ida Spinnler kommt 1924 in Italien zur Welt. Ihre Eltern sind «Randulins ‒ Schwalben», also Engadiner, die nach dem Ersten Weltkrieg ins nahe Ausland emigrieren. Ida und ihre Geschwister wachsen in Piacenza auf, erleben Mussolinis Faschismus und den Zweiten Weltkrieg. In den Sommerferien kehrt die Familie ins Haus der Grosseltern in Lavin unweit des schweizerischen Nationalparks zurück.
Zu Hause wird Rätoromanisch gesprochen, in der Schule in Piacenza Italienisch und später in Chur Deutsch. Ida macht mehrere Ausbildungen, arbeitet als Arztgehilfin, im Labor und als Übersetzerin. 1952 heiratet sie den Maler Rolf Spinnler. Das Künstlerleben am Existenzminimum ist von vielen Umzügen geprägt. Ida arbeitet als Lehrerin und ernährt damit die ganze Familie, zieht drei Kinder schliesslich allein gross. Auch mit ihnen fährt sie jeweils «heim» ins Engadin, in die Ferien.
1992 kehrt Ida endgültig nach Lavin zurück. Nach einem Abstecher ins Altersheim lebt die über Hundertjährige heute wieder im Haus ihrer Grosseltern. Für das Buch «Randulina ‒ Ida Spinnler, aus dem Engadin in die Welt» hat Ida Spinnler Jürg Wirth ihr Leben erzählt, das mehr als ein ganzes Jahrhundert und ein Stück Geschichte des Engadins umfasst – farbig, lebendig und voller Schalk.
Wirth, geboren und aufgewachsen im Aargau, ist studierter Maschinenbauingenieur und lebt seit 25 Jahren als Landwirt mit seiner Familie in Lavin im Unterengadin. Seit über 30 Jahren ist er als freier Journalist tätig, u.a. für die NZZ, «Die Zeit» und «Allegra». Er ist im Verein Staziun Lavin aktiv, der das Cinema und Bistro im alten Bahnhof betreibt. Für seine Arbeit am Manuskript von «Randulina» erhielt er einen Bündner Werkbeitrag.
An der Vernissage wird der vormalige TV- und Radiomoderator Hannes Hug mit dem Autor ein Gespräch führen.
Eine Gastveranstaltung des Limmat Verlag in Zusammenarbeit mit Never Stop Reading. Anschliessend Buchverkauf und Apéro. Der Eintritt ist gratis.

