

Philipp Sarasin, emeritierter Historiker der Universität Zürich und leidenschaftlicher Fotograf, hat seit 2009 etliche Gross- und Megastädte rund um den Globus fotografiert – von Los Angeles über London, Berlin, Kairo, Nairobi, Dubai und Mumbai bis Beijing und Jakarta. Dabei trieb ihn die Suche nach einem «gültigen» fotografischen Bild der Welt an, in der wir leben. Es ist eine Welt, die für mehr als die Hälfte der Menschheit eine urbane ist – Tendenz steigend.
Das Resultat der letztlich 15 Jahre dauernden Fotorecherche heisst «The Big City. A Visual Anthology». Es präsentiert eine Auswahl von 120 analytisch-beobachtenden Farbbildern. Sie nehmen den städtischen Raum mitsamt all seinen Bildern und Zeichen in den Blick, zusammen mit jener anonymen Architektur, die das Gesicht der Städte des 21. Jahrhunderts prägt. Philipp Sarasins Bilder sind weder Architekturfotografie im engeren Sinne noch entsprechen sie der klassischen Street Photography. Vielmehr stehen sie in der Tradition der Stadtfotografie, als Inspiration dienten künstlerische Konzepte von Fotografen wie Stephen Shore, Thomas Struth oder Jeff Wall.
ine Veranstaltung des Verlags Scheidegger & Spiess und Never Stop Reading, anschliessend Buchverkauf und Apero. Der Eintritt ist gratis.
Wichtig: Die Ausstellung wird ausnahmsweise mit einer Finissage gewürdigt, zu sehen ist sie bereits ab dem 29. April.


Maude Léonard-Contant, in Kanada aufgewachsen und seit bald 15 Jahren in der Schweiz lebend und arbeitend, erschafft eine Bildwelt, die sich aus Sprache speist, aus der Gestalt von Buchstaben, Worten und Satzfragmenten, und die sich in oft eigenwilligen und raumfüllenden Bodenarbeiten manifestiert. Sprache ist selbst dann (oder vielleicht gar noch intensiver und stärker) spürbar, wenn sich Léonard-Contants Werke am Rande der Verständlichkeit bewegen – indem sie Nonverbales durch akribische Artikulation von Formen und Oberflächen, Texturen und Raum. Die Beschäftigung mit Materialien, die ihr am Herzen liegen und die sie sorgfältig aufgrund ihres erotischen und narrativen Potenzials auswählt, bildet eine Syntax, mit der Bedeutung geschaffen wird und Erzählungen entfaltet werden.
Das an der Vernissage präsentierte Werk «Gathering» zeigt einen Zyklus von vier Arbeiten, die Maude Léonard-Contant zwischen 2023 und 2025 für Ausstellungen in Luzern, Chur, Mailand, Altkirch und Stans geschaffen hat. Diese eröffnen Orte, um in Form von Liebe und Liebeserklärungen der Trauer um Lebensräume und Lebewesen Platz zu geben. Die Anordnung der Materialien – giftig oder heilend, verführerisch oder täuschend, allesamt Träger einer Geschichte – suggeriert Bewegung und das Verschwinden und erinnert an Reste von Ritualen, die Übergang und Transformation begleiten. Begleitet werden die Abbildungen durch Texte von Maude Léonard-Contant, Essays der Autorinnen Estelle Hoy und Elise Lammer sowie eine Einleitung der Kunsthistorikerin Gabriela Christen.
Eine Veranstaltung des Verlags Scheidegger & Spiess und Never Stop Reading, anschliessend Buchverkauf und Apero. Der Eintritt ist gratis.


Plattenbauten üben seit jeher eine besondere Faszination aus. Der architektonische Stil – geprägt von serieller Wiederholung, modularer Bauweise, klaren Rastern, reduzierten Formen und funktionaler Gestaltung –, ist ebenso interessant wie die gesellschaftliche Ebene: Das Zusammenleben verschiedener Kulturen, die Dynamiken des Alltags und die Frage, wie solche Orte unser Verständnis von Stadt und Gemeinschaft prägen. Gleichzeitig sind Plattenbauten auch historisch aufgeladen, sie berichten von politischen, sozialen und städtebaulichen Entwicklungen.
Während eines einwöchigen Projekts in Berlin widmete sich der selbstständige Grafikdesigner und F+F-Dozent Nick Billinger der Gropiusstadt, einer der bekanntesten Plattenbausiedlungen Deutschlands. Durch wiederholte Streifzüge und fotografische Annäherungen hat er den geschichtsträchtigen Ort untersucht, beobachtet und dokumentiert. Die dabei entstandenen Bilder sind der Versuch, von aussen Einblicke in einen vielschichtigen Lebensraum zu gewinnen. Sie bewegen sich zwischen dokumentarischer Distanz und persönlicher Nähe, zwischen nüchterner Beobachtung und subtiler Annäherung. Damit hat Billinger, der an der Kunstschule auch die Abteilung Foundation Year leitet, ein Spannungsfeld erzeugt, das weniger erklärt als sichtbar macht, und das bewusst Fragen offenlässt.
An der Vernissage wird er über seine Erlebnisse erzählen, seine Arbeitsweise erläutern und das dabei entstandene Gropiusstadt-Zine vorstellen.
Eine Veranstaltung von Nick Billinger und Never Stop Reading, anschliessend Zine-Verkauf und Apero. Der Eintritt ist gratis.


Willy Guhl (1915–2004), einer der wichtigsten Schweizer Designer der Nachkriegszeit, gilt als Pionier des modernen, neofunktionalistischen Industriedesigns. Sein Eternit- Strandstuhl oder der Blumenkasten aus demselben Material sind Ikonen der Schweizer Designgeschichte. Den Scobalit-Stuhl hat Guhl 1951 als Europas erste Kunststoffschale entworfen, zeitgleich mit Charles Eames’ Plastic Chair. 1941–1980 hat Guhl sein Wissen und Können auch als Lehrer an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich (heute Zürcher Hochschule der Künste ZHdK) an seine Schüler:innen weitergegeben, darunter Robert Haussmann, Kurt Thut, Verena Huber und Andreas Christen.
Willy Guhl folgte einer besonderen gestalterischen Haltung, die aus einer an die Sinne und den Körper, auch den eigenen, gebundenen, experimentell-forschenden Vorgehensweise hervorgeht und deren Grundprinzip ein stufenweiser Entwurfsprozess ist. Basierend auf Guhls nahezu vollständig erhaltenem, aber noch unerschlossenem und unbearbeitetem Nachlass rekonstruiert Katrin Stowasser im Buch «Tastsinn als Formgebung» seine besondere Arbeitsweise. Die damit einhergehende gestalterische Haltung wird anhand ausgewählter Beispiele aus Guhls Gesamtwerk veranschaulicht.
Eine Veranstaltung des Verlags Scheidegger & Spiess und Never Stop Reading, anschliessend Buchverkauf und Apero. Der Eintritt ist gratis.