
Unser Sortiment ist eine Erlebniswelt! Sie offeriert eine breite, international geprägte, teils exklusive Buch- und Magazin-Auswahl zu Themen wie Architektur, Design/Grafik, Fotografie, Kunst, Food/Drinks, Lifestyle/Mode, Tattoo, Velokultur oder Zeitgeistiges.
Als Partnerbuchhandlung der Büchergilde Gutenberg führen wir auch eine Abteilung mit deutschsprachigen Romanen und Sachbüchern in besonders bibliophiler Ausstattung und Machart. Ergänzt wird dieses Lesevergnügen durch belletristische Neuerscheinungen sowie durch eine charmante Auslese an English Books.
Unser Veranstaltungsprogramm besteht aus Buch- und Magazinpräsentationen, Lesungen, Podien, musischen Soireen oder kecker Kultur. Im Zentrum standen bislang die jährlich zehn Fotografie- und Grafikkunst-Ausstellungen, kuratiert von der preisgekrönten Fotografin Sabina Bobst. Ab 2026 wird das Konzept geöffnet und unsere Laden-Galerie thematisch breiter bespielt.
Interessierte Autorinnen und Autoren, Verlage, Event-Veranstalter aus anderen Branchen oder auch Privatpersonen können unsere attraktive Buchhandlung mieten – Factsheet
Berufliches
Obwohl der Cousin seines Vaters (von Beruf: Metzger) meinte, der Buchhandel sei eine brotlose Sache, entschloss sich Urs zur Buchhändlerlehre. Über einen Umweg landete er danach in der tollen Comic-Buchhandlung «Klamauk» im Niederdorf, was nicht ohne Folgen blieb – er war nämlich Mitgründer des grandiosen Comicverlags «Arrache Coeur». Dennoch reichten die Umsätze nicht ganz für den Lebensunterhalt.
Also zog Urs weiter zur Bildagentur Keystone. Später verbrachte er ein paar Jahre auf der Bildredaktion des «Tages-Anzeigers», und nochmals später ganz viele auf Bildredaktion der «NZZ am Sonntag». Als sich 2021 eher überraschend die Möglichkeit ergab, durch eine Anstellung im Never Stop Reading in den Buchhandel zurückzukehren – notabene in einem Lokal, das einst der Verarbeitungsraum einer stadtbekannten Metzgerei gewesen war (was seinem Verwandten bestimmt prima gefallen hätte) –, packte Urs diese Chance. Der Beruf, findet er, sei zwar nach wie vor brotlos, aber eben auch richtig grossartig.
Dies und Das
Grosse Leidenschaften von Urs – nebst dem Lesen, versteht sich – sind die Spurbreiten bei Modeleisenbahnen, Antriebswerke von Flugzeugen, generell die maximale Risikostreuung bei Anlagefonds und sehr konkret der Einfluss des Bitcoins auf das Ernährungsverhalten. Wobei er dann auch freimütig eingesteht, er wisse bei vielen Dingen ein bisschen Bescheid, überhaupt nicht auskennen tue er sich jedoch bei Modeleisenbahnspurbreiten, Flugzeugantriebswerken, der maximalen Risikostreuung bei Anlagefonds und, da sei es besonders prekär, beim Einfluss des Bitcoins auf das Ernährungsverhalten.
Den Never Stop Reading findet er (O-Ton) «den besten und schönsten Buchladen weit und breit». Sein zweitliebstes Getränk ist Chinotto, das zweitliebste Essen ein Teller Pasta. Musikalisch mag Urs rumpelnde Gitarren, schrägen Pop, Post Punk, entspannten Hip Hop, Rocksteady, Dancehall, frühe Elektronik und jammernde amerikanische Songwriter:innen. Nicht so gern mag er handkehrum Opern und Operetten, Volkstümliches und neuen Deutsch-Rap (wers noch genauer will, darf ihn gern darauf ansprechen). Ach ja, und ein literarisches Werk, bei dem er am liebsten sagen würde «Das hab ich geschrieben!», gibts eigentlich nicht; besonders wenn er begeistert sei, sagt Urs, gönne er das den Autor:innen sehr. Doch es existiert ein Buch, das ihn zutiefst beeindruckt (obwohl er es nie fertiggelesen hat) – und das ist Georges Perecs’ «Anton Voyls Fortgang». Ein Roman oder Krimi, der ohne den Buchstaben «e» auskommt, eine verzwickte Aufgabenstellung, sowohl im Original («La Disparation») als auch in der Übersetzung.
Berufliches
Da er wegen jugendlicher Verpeiltheit (keine Drogen, eher eine Art Dauerverzückung ob der Schönheit der Welt) die Gymiprüfung verpasste, machte Thomas dann halt eine KV-Lehre bei Bank Leu Reisen. Und das offenbar gar nicht mal so schlecht: Im dritten Lehrjahr vertraute man ihm nämlich die Kreta-Abteilung an; soweit er sich erinnern mag, hielten sich sowohl Überbuchungen als auch Umsatzeinbussen im erträglichen Rahmen. Die schulische Reifeprüfung holte er später in der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene (KME) nach. Es folgten die Studienjahre (Jurisprudenz, Germanistik, Geschichte, Filmwissenschaft, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte), das meiste ist bis dato mehr oder weniger unabgeschlossen.
Während der KME und auch im Studium Teilzeitjobs im Orell Füssli Pelikanstrasse (später: Kramhof). Highlight: 14. Juni 1991, als alle OF-Buchhändlerinnen streikten und wir Männer – drei bis vier Buchhändler plus ein paar Studis – versuchten, den dreistöckigen Laden in Betrieb zu halten. Zudem noch Tages-Anzeiger-Nachtverkäufer im Zürcher HB. Ähnlich wie Picasso, der bekanntlich eine blaue Periode durchmachte, machte auch Thomas eine monothematische Schaffensperiode durch. Allerdings nicht in der Kunst, sondern im Journalismus, und anders als beim spanischen Malermeister (pardon: Meistermaler) dauerte sie auch nicht drei, sondern über 20 Jahre. Konkret arbeitete er als Sekretär, Dienstredaktor, freier Journalist, Kolumnist sowie als Zürich-, Sport- und Kultur-/Gesellschafts-Redaktor für den «Tagi»; davor, danach und zwischendurch temporär auch mal für andere Zeitungen oder Magazine. Am Ende dieser Periode kehrte er schliesslich zur alten (und leicht rostigen) Liebe «Buchhandel» zurück. Nebst der Tätigkeit im Never Stop Reading macht er Stadt- und Museumsführungen und Züri-Quizabende und schreibt dann und wann einen Artikel.
Dies und Das
«jolifanta bambla o falli bambla // grossiga mpfa habla horem //egiga goramen // higo bloiko russula huju». Ja, Thomas mag dadaistische Lautgedichte leidenschaftlich. Genauso wie den LFC, das eiskalte Rivella rot bei ambitionierten Wanderausflügen, das «Ofenloch» und so einiges in Wien, Monty Python, «Blow Up», «Zabriskie Point» sowie italienische Stummfilme, St. Pauli (als Stadtteil und als Club mit Attitüde), generell erste Sätze und zudem fast alle Sätze von Pynchon, das DJ-Spielen, unstillbare Neugier, Polleschs Theater, nostalgische Zürcher Geschichten und leider Vieles mehr, wofür die Lebenszeit niemals reichen wird.
Sein liebster Ort im Laden ist der Naturtisch beim Sofa, da findet er auch in grösster Hektik zur Ruhe. Passend dazu ist sein zweitliebstes Essen (saisonal) «Mara des bois»-Erdbeeren oder Uva americana. Musikalisch steht er auf dasselbe wie Urs, abzüglich die jammernden amerikanischen Songwriter:innen, zuzüglich frühere italienische Sommerhits, Trip Hop, Jungle und Drum’n’Bass, Surf Sounds, minimalistisches Technozeugs. Ach ja, und das Buch, bei dem er denkt «das hätte ich am liebsten selbst geschrieben!», hat er zwar schon häufig gelesen – aber leider noch nicht selbst geschrieben.
Berufliches
Wohl inspiriert durch berühmte Chemiker:innen wie Marie Curie (Radioaktivität), Antoine Lavoisier (Oxidation), Dmitri Mendelejew (Periodensystem) und Otto Hahn (Kernspaltung), die alle auch mal im Labor anfingen, absolvierte Maurin eine solide Grundausbildung als Chemielaborant. Danach holte er auf dem zweiten Bildungsweg die Matura nach. Obschon viele überzeugt waren, dass diese solide Zusatzausbildung der logische nächste Schritt auf dem langen Weg zum Chemie-Nobelpreis sei, entschied sich Maurin für ein Geographie- und Philosophie-Studium (und damit selbstlos gegen das Preisgeld und für die Rettung der Welt, chapeau!)
Seinen Lebensunterhalt und sein Studium hat Maurin früher vor allem durch Jobs in der Gastronomie finanziert, unter anderem war er im legendären Restaurant «Schiwago» tätig, das im Dezember 2025 geschlossen wurde. Inzwischen arbeitet er als Betreuungsassistent in der Schule Hardau … und natürlich im Never Stop Reading. Dabei kann er das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden, nämlich sein Fachwissen einbringen, die Insta-News posten, sein (immenses) Kaffeebedürfnis stillen und seine stolze Kollektion an Architektur-, Kunst- und Fotobüchern weiter ausbauen.
Dies und Das
Fussball spielen, Fussball schauen, Fussball-Trikots sammeln: Maurins Leidenschaft #1! Deshalb würde er sich ganz unbescheiden auch den Titel «Fussballexperte» verleihen, falls jemand danach fragen würde – und zwar explizit nicht nur während einer Euro oder einer WM, sondern jahrein, jahraus. Filme schauen und ins Kino gehen: Maurins Leidenschaft #2! (Zum selbsternannten Experten reicht es ihm da allerdings noch nicht). Den Never Stop Reading bezeichnet er als «einen meiner Lieblingsorte in der Stadt», und innerhalb dieses Lieblingsorts steht er – keine grosse Überraschung, siehe oben –, am liebsten in der Nähe der Espresso-Maschine.
Da wir grad bei den Lebensmitteln sind: Maurins zweitliebstes Essen sind entweder Moules et Frites oder Spaghetti Vongole (das andere ist dann seine Leibspeise, entscheiden konnte er sich aber nicht). Ganz anders bei den musikalischen Vorlieben, da ist er konkret: Gorillaz, Björk, Aphex Twin, Burial oder Rosalia bis zu Rap mit viel Autotune, wie etwa das französische Duo PNL, Young Thug oder Triad God. Ach ja, und dann wäre da noch das Buch, bei dem er gerne sagen würde: «Ist übrigens von mir.» Buch? Bücher! Konkret trifft das auf alle «Maigret»-Krimis von Simenon zu, ebenso auf Hegels «Phänomenologie des Geistes», auf Foucaults «Überwachen und Strafen», Judith Butlers «Das Unbehagen der Geschlechter» und schliesslich auf «Dialektik der Aufklärung» von Horkheimer und Adorno.

Erneut hoher Besuch, diesmal jedoch aus einer nicht artverwandten Sparte: Am späten Nachmittag des 17. Juni schlendert plötzlich Thomas Tuchel, Trainer der englischen Fussballnationalmannschaft, durch den Never Stop Reading. Er war auf dem Weg an die Klub-WM in den USA, sein Flieger aus London konnte aber wegen zu viel Wind nicht landen, und so verpasste er den Anschlussflug. Tuchel bleibt fast eine Stunde, er lobt unsere Auswahl und bedauert, nur mit Handgepäck zureisen, da er sonst mehr als drei Bücher kaufen würde. Die meiste Zeit aber plaudert man(n) natürlich über Fussball.
Doch damit nicht genug der Ehre: Rund eine Woche später, am 25. Juni, lanciert das weltbekannte Mode-und Kosmetiklabel CHANEL im Never Stop Reading sein neues Magazin «Chanel Arts & Culture Vol. 1». Die Vernissage des buchdicken Erstlings findet auf dem ganzen Globus am selben Tag in 20 ausgewählten Buchhandlungen statt.
Bild: Der englische Fussballnationaltrainer Thomas Tuchel (Quelle: PD)
Am Mittwoch, 11. September, haben wir einen internationalen Stargast im Never Stop Reading: Der berühmte US-amerikanische «Magnum»-Fotograf Alec Soth, der in der Schweiz weilt, um im Rahmen des Kunstprojekts «Art Flow» seine Arbeit «Limmat Valley Diary» vorzustellen, hält in unserem Laden ein launiges, einstündiges Referat über seine Arbeit und sein jüngstes Buch «Advice For Young Artists». Besucherinnen und Besucher reisen nicht nur aus der halben Schweiz, sondern auch aus Deutschland, Italien und Österreich an; nicht wenige lauschen dem Vortrag vom Trottoir aus, weil es im Laden keinen Platz mehr hat.
Am Donnerstag, 6. April, wird die Buchhandlung Never Stop Reading an der Spiegelgasse 18/Untere Zäune eröffnet. Der «Tages-Anzeiger» publiziert zur Geburtsstunde den folgenden Artikel:
«Der Name ist Programm: ‹Never Stop Reading› heisst die neue Buchhandlung im Oberdorf. Sie befindet sich an der Ecke Untere Zäune/Spiegelgasse 18, dort wo einst Lenin und Büchner wohnten und Dada geboren wurde. Hier ist ein wunderbar atmosphärischer Buchladen entstanden, der mit Architektur, Kunst, Fotografie und Design ein internationales Sortiment führt, ein Sortiment, ‹das so breit in Zürich seit längerem nicht mehr besetzt ist›, wie Thomas Kramer, Geschäftsführer des Kunstbuchverlages Scheidegger & Spiess, erklärt. Zudem wird eine Auswahl an English Books, Sachbüchern und Belletristik aufliegen.
Unweit davon war einst jener Buchladen von Robert Krauthammer, der genau für dieses Sortiment in Zürich erste Anlaufstelle war. Dann übernahm Orell Füssli 2001 das Geschäft und lancierte es eine Nummer grösser in der ehemaligen Papeterie Racher an der Marktgasse 12. Zehn Jahre später schloss Orell Füssli die Filiale im Niederdorf und integrierte das Angebot im Hauptgeschäft am Kramhof. Letztes Jahr wurde auch diese Abteilung verkleinert, sodass der Verlag Scheidegger & Spiess in Zürich keine Verkaufsstelle mehr hatte. ‹Der Umsatz in Zürich war mit denjenigen in deutschen Städten immer weniger vergleichbar›, sagt Geschäftsführer Kramer.
Das soll sich nun ändern. Trotz Amazon und Internet entstehen wieder neue Buchläden. Kramer erwähnt Beispiele aus England und Berlin: ‹Dabei geht es um Buchhandlungen mit einem ausgesuchten Sortiment.› Diese Entwicklung bemerkt man nun auch in Zürich. Entscheidend für den Erfolg ist, dass die Buchläden keine Nullachtfünfzehn-Lokale sind. ‹Never Stop Reading› soll ‹Genuss und Einkaufserlebnis› vermitteln. Der grosse, in die Länge gezogene Raum trägt die Handschrift der Architektin Adriana Stalder vom Zürcher Büro Stalder & Buol. Das Lokal, in dem einst eine Metzgerei war, steht unter Denkmalschutz und ist eine Kombination aus Alt und Neu. Vermieterin ist die Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich. Ein sehr langes, anthrazitfarbenes Büchergestell zieht sich die eine Wand entlang, davor stehen auf schicken farbigen Tischchen die neusten Bücher-Trouvaillen, Oberlichtfenster erhellen den Hauptraum.
Der Buchladen wird finanziert durch die Eigentümer der Verlage Scheidegger & Spiess und Park Books. Das sind die Gebrüder Meili, der Anwalt Andi Hoppler sowie Thomas Kramer. ‹Das neue Geschäft ist jedoch kein Showroom für unsere Bücher›, betont Thomas Kramer. ‹Es muss sich auch finanziell rechnen.› Wichtiger Teil des Sortiments sind Werke anderer Schweizer Verlage, die ebenfalls auf Fotografie, Kunst und Architektur spezialisiert sind. Dazu gehören etwa Lars Müller Publishers, Edition Patrick Frey oder der Quart-Verlag aus Luzern.
Neben rund 4000 schönen Büchern zum Schmökern wird ‹Never Stop Reading› regelmässig auch Fotoausstellungen veranstalten. Sie werden kuratiert von der Fotografin Sabina Bobst. Den Anfang machen Fotografien aus dem Bildband ‹Bilbao› von Roger Wehrli aus Baden. Er hat den Wandel der baskischen Stadt zwischen 1988 und 2014 festgehalten und zeigt, wie aus dem ehemaligen Industriemoloch eine Kulturhauptstadt wurde. Auch Lesungen und Diskussionen sind geplant. Geführt wird der Buchladen von Nora Schwyn. Sie war von 2008 bis 2017 bei sec52 tätig.»

Das Pärkli vis-à-vis unserer Buchhandlung ist sozusagen unser erweiterter «Living Room» – hier führen wir Sitzungen und Sommerfeste durch, hier mampfen wir bei Sonnenschein Salate und Sandwiches, hier bespassen wir Filou und Gino (oder sie uns), die Vierbeiner aus der Nachbarschaft.
Die beiden Kater sind die (nicht-blutsverwandten) Nachfolger des legendären Monty, der in dieser Altstadtgegend von 2004 bis 2016 «everybody’s darling» war und im Park seine stattliche Hütte stehen hatte. Nachdem er von einem Auto überfahren wird, setzen ihm sein Besitzer Serge und viele von seinem Schicksal berührte Altstadtbewohner:innen ein Denkmal: Sie sammeln 5000 Franken und lassen eine Bronzestatue von Monty giessen. Um sie aufzustellen, bedarf es einer Ausnahmebewilligung von Grün Stadt Zürich, die (vorläufig) auf zehn Jahre befristet ist.
Bild: Häuschen Kater Monty in einer Aufnahme von 2016. (Quelle: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich)

1998 geht mit der Liquidierung der Genossenschaftsbuchhandlung Pinkus am Zähringerplatz eine Ära zu Ende. Deren schillernde Figur war Theo Pinkus (1909-1991), ein kommunistischer jüdischer Querdenker, Gründer des Büchersuchdienst BSV, eines Antiquariats, einer sozialistischen Buchhandlung, Initiant und Mitgründer des Limmatverlags, verheiratet mit der Buchhändlerin und Frauenrechtlerin Amalie Pinkus-De Sassi, mit der er auch die 50'000 Werke umfassende Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung begründete, politisch aktiv in der kommunistischen Partei (ausgeschlossen), bei der SP (ausgeschlossen) und zuletzt bei der Partei der Arbeit PdA, darüber hinaus hatte Pinkus beim Schweizer Nachrichtendienst mit 252 Seiten die umfangreichste aller angelegten Fichen, wie bei der Aufdeckung des Skandals 1989 bekannt wird.
Mit Jules Hunsperger hält aber einer der vormaligen Pinkus-Angestellten das sozialistische Gedankengut in Buchform am Leben – indem er im Oktober 1997 im Eckhaus Spiegelgasse 18/Untere Zäune die russische Buchhandlung «Pinkrus» eröffnet. Sortiment: Russische Gegenwartsliteratur, Krimis, Unterhaltungsliteratur, Neuerscheinungen der letzten Monate, Klassiker, Übersetzungen von Belletristik aus dem Deutschen und Englischen, Sachbücher zur Geographie und Politik. Kundschaft: Slawisten, Übersetzer, russische Autoren wie Michail Schischkin, die in der Schweiz leben oder auf Durchreise seien. Informationsbeschaffung: Bekannte und Freunde in Russland beobachten für Pinkrus den heimischen Büchermarkt und machen auf Neuerscheinungen aufmerksam.
All dies ist in dem Portal buchort.ch nachzulesen. Genauso wie die Tatsache, dass sich Hunsperger im Pinkrus ums Administrative kümmerte und für die Beratung der Kundschaft die ehemalige russische Radiologin Elena Seiler engagiert hat. Oder dass das Fortbestehen des Ladens unter anderem auch der Stadt als Hausbesetzerin beziehungsweise deren Immobilien-Verwaltung zu verdanken gewesen ist – weil die Stadt die Buchhandlung nicht habe verlieren wollen.
Bild: Aufnahme Buchhandlung Pinkrus mit Kasse (Foto: buchort.ch, Heinz Egger)

Rolf Pius Ruff, der Enkel des Firmengründers, veräussert die Altstadthäuser «Schäfli» (Spiegelasse 16) und «Felsenegg» (Spiegelgasse 18/Untere Zäune) 1946, ein Jahr nach dem Tod seines Vaters Otto, an die Ernst-Göhner-Stiftung. Diese wiederum verkauft sie 1947 an die Stadt Zürich. Auf den Aufnahmen der Unteren Zäune von 1950 und 1959 ist – vergittert – das Schaufenster unserer Buchhandlung zu erkennen. Ein tolles Zeitdokument ist auch das Bild der benachbarten Leuengasse von 1959. Die Fotografie zeigt, dass– die Kinderspielsachen, die Mode und die Grösse der Baumkronen ausgenommen – heute praktisch alles noch so ist, wie es damals schon war.
Bild: Leuengasse in einer Aufnahme von 1959 (Quelle: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich).

Obwohl Otto Ruff den Firmenhauptsitz 1923 bekanntlich an die Uetlibergstrasse verlegt, bleibt die Altstadtfiliale der Metzgerei – heute ist da das Modelabel Thema Selection eingemietet – mitsamt Schlachtraum und Wurstfabrikation (wo sich wie bereits erwähnt der Never Stop Reading befindet) bis Mitte der 1940-Jahre bestehen.
Bild: Spiegelgasse mit Wurstfabrik und Metzgerei Otto Ruff in einer Aufnahme von 1938. (Quelle: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich)

Die Altstadt rund um die Spiegelgasse und Untere Zäune ist ums Jahr 1930 eine (auch optisch) ärmliche und trostlose Gegend. Bei genauem Hingucken ist auf dem Bild der Unteren Zäune unser heutiges Ladenschaufenster zu sehen; errichtet wurde es gemäss stadtarchäologischen Dokumenten bei einem Umbau von Metzger Pius Ruff im Jahr 1907.
Bild: Aufnahme Untere Zäune von 1930. (Quelle: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich)

Nach der Metzgerlehre, die Sohn Otto Ruff im heimischen Betrieb absolvierte, schickt ihn sein Vater nach Neuenburg in eine Schule, dann nach Deutschland, und 1913/14 gar nach Chicago in den USA, wo er «den Grossbetrieb amerikanischer Fleischverwertung persönlich kennenlernte» (wie 1945 in der Rede zu seiner Abdankung, die im Grossmünster im Beisein vieler Ehrengäste stattfindet, zu lesen ist).
Fortan interessiert sich Otto Ruff, ähnlich wie auch schon sein Vater, für Maschinen und technische Errungenschaften aller Art, vorab um bei hergestellten Waren stets höchste Qualität zu erreichen. 1917 verheiratet er sich mit Anna Fassnacht. Sie hätten, so wird es bei der erwähnten Abdankung explizit betont, «gemeinsam während 27 Jahren Freude, Arbeit, Glück und Sorgen eines durch Kampf und Widerstände aufsteigenden Grossbetriebs getragen».
1920, knapp vier Jahre nach der Trauung, übernimmt Otto Ruff die Leitung des Metzgereibetriebs und der Wurstfabrikation von seinem Vater. Da der Laden und die Schlacht- und Fabrikationsräume im Kreis 1 inzwischen zu klein geworden sind, erwirbt er im Mai 1923 von der Brauerei Hürlimann das Areal an der Uetlibergstrasse in Wiedikon und baut die Brauerei in eine Wurstfabrik um. «Im Januar 1924», steht in der Abdankungsrede geschrieben, «zog der junge Patron selbst hinauf auf den Hügel über der Uetlibergstrasse, richtete sich häuslich ein und wohnte dort bis zu seinem Tode.»
Eine spezielle retrospektive Erwähnung bekommt das Schaufenster der Metzgerei in einem Bericht der städtischen Denkmalpflege, den diese anlässlich von Renovationsarbeiten 1983 publiziert: «Die 1903 für die Metzgerei Ruff erstellte Ladenfassade zeigt stilistisch den Übergang vom Historismus zum Jugendstil. Die Verwendung von Walzeisenprofilen und maschinell geprägten Ornamentbändern in Kombination mit handgeschmiedeten Blumenranken und gegossenen Blumen ist typisch für die Zeit der Jahrhundertwende, wo in der Architektur industrielle Produktion und Handwerk noch eine Synthese bilden konnten. Die durch die Farben Blau und Rot sowie durch reiche Verwendung von Blattgold kostbar wirkende Fassade ist auch ein Beispiel für den Berufsstolz des Metzgers, der seinen durch Fleiss und Tüchtigkeit erreichten Wohlstand zeigen wollte. Photos, aufgenommen zum 50-Jahr-Jubiläum der Firma im Jahr 1935, vermitteln noch etwas von diesem Selbstverständnis. Das Fleisch hing damals noch in Form von halben oder geviertelten Tierleibern gut sichtbar im Schaufenster.»
Bild: Schaufenster Metzgerei Ruff an der Spiegelgasse 18, Aufnahme von 1925. (Quelle: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich)

In der Ausgabe vom 18. September 1925 der «Neuen Zürcher Nachrichten» ist der hier auszugsweise wiedergegebene Nachruf zu lesen, der für unsere Buchhandlung von grosser Relevanz ist: Unser heutiges Ladenlokal ist nämlich zu jener Zeit der Schlacht- und Wurstfabrikationsraum des in den folgenden Zeilen posthum gewürdigten Metzgers und Pius Ruff:
«Am vergangenen Montag wurde ein Mann zu Grabe getragen, dem es gebührt, dass seiner an dieser Stelle gedacht wird. Pius Ruff ist am 9. Juli 1859 als Sohn eines in ärmlichen Verhältnissen lebenden Hausierers in Jungingen (Hohenzollern) geboren. Schon im Kindesalter von zwei Jahren verlor er seine Mutter und wurde deshalb schon frühzeitig auf eigene Beine gestellt, um sein Brot zu verdienen. Kaum aus der Schule entlassen, wurde er Postkutscher, sodann ging er auf die ‹Walz› und erlernte bei einem Bauernmetzger in landläufiger Weise das Metzgergewerbe.
Nach Absolvierung seines dreijährigen Militärdienstes wandte er sich, seinem Triebe folgend, nach der Schweiz. In Zürich, das zu seiner zweiten Heimat wurde, fand er bei ersten Firmen bald Stellung und erfasste die vorteilhaften Kenntnisse der Wurstfabrikation gründlich, behielt sie aber wohlweislich für sich. Im Hause eines seiner letzten Meister lernte er Frl. Ursula Ehrat von Lohn (Schaffhausen) kennen, mit der er die Ehe, aus der ein Sohn und zwei Töchter entsprangen, einging ... (...) ...
Im Jahre 1885 machte sich der Verstorbene, auch auf das Drängen seiner Gattin hin, im Anbau des Hauses Spiegelgasse 13 in Zürich selbstständig. Durch die freundliche Bedienung und den Verkauf nur guter Ware nahm der Kundenkreis immer zu und machte damit bald erweiterte Lokalitäten nötig, was durch Ankauf des Hauses Spiegelgasse 16 und später Nr. 18 möglich wurde ...(...)...
An seiner Frau besass Pius Ruff eine grosse Stütze im Geschäftsbetriebe, die ihm aber am 5. Januar 1916 durch den Tod entrissen wurde. Mit grossem Interesse standen ihm der Sohn und die beiden Töchter unterstützend zur Seite. Das Ziel, auf das Metzgermeister Ruff unentwegt lossteuerte, war der Aufschwung seines Geschäftes und die Anschaffung der neuesten und modernsten Maschinen. Wie glänzend es ihm gelungen ist, sein Geschäft in die Höhe zu bringen, beweist die einfache Tatsache, dass er bei der Eröffnung eine Tageseinnahme von 75 Franken verzeichnete; heute betragen die durchschnittlichen Tageseinnahmen des umfangreichen Unternehmens 30,000 Fr.! Nach der Wiederverheiratung Ende 1920 zog sich Pius Ruff ins Privatleben zurück, hielt aber immer ein wachsames Auge. Das Geschäft ging an den Sohn Otto Ruff über ...(...)...
Der grosse kräftige Mann wurde von einer heimtückischen Krankheit befallen, der er nach mehrmonatlichem Leiden erlag. Trotz seiner regen, auswärtsstrebenden Gedanken vergass er seine Zugehörigkeit zur katholischen Kirche nicht und starb wohlversehen mit den hl. Sterbesakramenten. Warme und herzliche Trostesworte richtete HH-.- Vikar Konrad von der Liebfrauenpfarrei an die Leidtragenden am Grabe, wo noch etwa 2000 Personen anwesend waren. Die Hinterlassenen betrauern einen herzensguten Gatten und Vater. Den Angestellten war er jederzeit ein gutes Vorbild und durfte sich einer grossen Beliebtheit erfreuen. Wer ihn kannte, wird ihn nie vergessen. Die Erde sei ihm leicht!»
Bild: Werbung Metzgerei Pius Ruff aus dem Jahr 1915. (Quelle: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich)
Im Häuserverzeichnis des ersten Geometerplans von Ingenieur Johannes Müller, der zwischen 1788 und 1793 entsteht, ist das «Felsenegg»-Haus mit einem Wert von 12‘000 Gulden aufgeführt. Basierend auf den historischen Daten zur Kaufkraft von Gulden im späten 18. Jahrhundert könnte das einem aktuellen Gegenwert von 115‘000 CHF entsprechen. Wobei das eine sehr grobe Schätzung ist, da sich die Lebenshaltungskosten und die Wirtschaftsstruktur in den vergangenen 230 Jahren fundamental verändert haben – Ende des 18. Jahrhunderts konnte man für einen Gulden in Zürich nämlich ca. 10 kg Brot oder 2kg Rindfleisch kaufen.
1621 führt Junker Hans Heinrich Grebel, der damalige Besitzer des Eckhauses (heute: Spiegelgasse 18/Untere Zäune), einen grösseren Umbau durch. «Danach hat das Gebäude den äusseren Aspekt mit den drei Vollgeschossen, den es im Wesentlichen bis heute bewahrt hat», wie in einem Bericht des Baugeschichtlichen Archivs zu lesen ist.
In diesem Haus wächst auch Grebels Sohn Hans Konrad (1615-1674) auf, der 1640 die Tochter von Bürgermeister Salomon Hirzel heiratet und so den Aufstieg in die höchsten Ämter schafft. Er ist davor schon Mitglied des Grossen Rates gewesen, später wird er Landvogt in Wädenswil, dann Zunftmeister zur Meise, später Zürichs Statthalter und anno 1669 schliesslich Bürgermeister. Nach dem Tod seines Vaters erbt Hans Konrad Grebel das Eckhaus, das in Urkunden von 1658 erstmals «Felsenegg» genannt wird.
Der Name «Felsenegg» muss allerdings nicht mit der Felsenegg auf dem Uetliberg in Verbindung gebracht werden. Nachdem die Spiegelgasse im zuvor genannten Murerplan noch als Steingasse angeschrieben war, ist es naheliegend, dass wahrscheinlich eher vorhandene Felsen den Namen inspiriert haben. Dafür spricht auch der Findling, der um 1630 bei der Vergrösserung des bereits bestehenden «Felsenegg»-Kellers (der heutzutage als Kultur- und Veranstaltungsraum genutzt wird) in dessen Ostwand entdeckt und unter grossem Arbeitsaufwand zum Teil abgebaut wird.
In einer weiteren Urkunde von 1535 wird dann Junker Hans Jakob Rordorf als Inhaber des Hauses an der heutigen Spiegelgasse 18 genannt. Auch wird ein Anstoss seiner Liegenschaft an das Haus «zum Grünen Kreuz» (heute: Untere Zäune 25, das Nachbarshaus des Never Stop Reading) betont. Aus dieser Erwähnung kann geschlossen werden, dass an Stelle der davor genannten, einzelnen Gebäude ein neues Eckhaus entstanden ist. Junker Rordorf, verheiratet mit Helena von Hinwil, wird 1551 Konstaffelherr und damit Mitglied des Rats.
Das «Rordorf’sche Haus» ist auch auf dem berühmten «Murerplan» von 1576 zuerkennen. Dieser detaillierte Holzschnitt-Stadtplan von Zürich, erstellt vom Glasmaler und Kartografen Jos Murer, gilt als bedeutendste und älteste Ansichtskarte der Stadt aus der Renaissance, welche Gebäude, Strassen und die Stadtstruktur der damaligen Zeit präzise darstellt.
An Stelle des heutigen Eckhauses Untere Zäune/Spiegelgasse 18 – also da, wo sich die Buchhandlung Never Stop Reading befindet – müssen im Mittelalter drei Häuser gestanden haben: Das eine direkt an der Ecke, die anderen beiden hintereinander an der Unteren Zäune. Darauf lässt jedenfalls eine erste Erwähnung der Gebäude in einer Urkunde vom 21. Juni 1319 schliessen.
Darin hält der Rat fest, dass Ritter Rudolf Mülner als Pfleger der «Mindern Brüder» (Franziskaner) den hintern Teil eines Hauses «daz gelegen ist under Nidern Zünen» als Leibding für 24 Pfund an Schwester Guta von Ebmatingen verkauft habe. Das Haus stiess einerseits an dasjenige der Schwarzmurer (Untere Zäune25) und ebenso an das Haus, in dem Frau Meiss wohnte; dieses dürfte mit dem Eckhaus identisch gewesen sein.


