Was es hier nicht gibt? Überragende Feuilleton-Kritiken. Elende Langeweile. Moral und Tabus. Eine Regelmässigkeit.
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Das Buch «American Images» – es ist der Katalog zur grossen Wanderausstellung der Fotografin Dana Lixenberg –, versucht das Unmögliche: Sprich einen Zeitraum von 30 Jahren und unterschiedliche Projekte wie etwa redaktionelle Porträts und die preisgekrönte Langzeitstudie «Imperial Courts» (1993 bis 2015) aus Watts, Los Angeles zu vereinen.
Doch statt zu scheitern, gelingt dem Buch eine Offenbarung in Form einer Sort-of-Werkschau, die Seite für Seite zeigt, was die Niederländerin kann wie nur wenig andere: Das Wesen des Menschen einzufangen, unabhängig vom komplexen Kontext der Biografie. Oder wie es das «Aesthetica Magazine» in der Ausstellungsbesprechung schreibt, die noch bis am 24. Mai im Maison Européenne de la Photographie (MEP) in Paris zu sehen ist: «Indem sie über Jahrzehnte hinweg an dieselben Orte zurückkehrt und mit denselben Menschen arbeitet, verwandelt sie die Kamera von einem Instrument der Aneignung in ein Werkzeug des Dialogs und der Erinnerung.»

Die meisten bisher erschienenen Bücher, die sich mit den kultig verehrten Pariser Buchhandlungen «La Maison des Amis des Livres» und «Shakespeare and Company» und deren amourös liierten Betreiberinnen Adrienne Monnier und Sylvia Beach beschäftigten, die sich an der Rue de l’Odéon praktisch gegenüber standen, handeln von der Blütephase in den Zwischenkriegsjahren. Also von jener Zeit, als die Avantgarde um Ernest Hemingway, T. S. Eliot, André Gide, Ezra Pound, D.H. Lawrence, Getrude Stein oder Man Ray die Läden zu jenem famosen intellektuellen Zirkel machten, den Monnier gern als «Odéonia» bezeichnete.
Anders Uwe Neumahr: Er thematisiert in die «Buchhandlung der Exilaten» diese Aspekte und Stories zwar auch, erweitert aber den historischen Fokus auf den Zweiten Weltkrieg und darüber hinaus. Dadurch erhalten wir Einblick in schicksalshafte Wendungen in den Biografien der zwei heldenhaften Protagonistinnen ... und erleben Hemingway als US-Soldaten, der die Rue del’Odéon befreit!

Bruno Ganz (1941–2019) war einer der bedeutendsten Schauspieler Europas und ein Liebling des Publikums. Aus dem Arbeiterquartier Zürich-Seebach hat er es auf die wichtigsten Bühnen des deutschsprachigen Theaters geschafft und in Inszenierungen von Luc Bondy, Klaus Michael Grüber, Peter Stein oder Peter Zadek geglänzt. Mit mehr als 100 Rollen in Filmen von Regisseuren wie Francis Ford Coppola, Theo Angelopoulos, Wim Wenders, Alain Tanner, Sally Potter, Eric Rohmer oder Ridley Scott hat Ganz Kinogeschichte geschrieben.
Bis heute gibt es kein Buch über Leben und Schaffen von Bruno Ganz, weil er sich stets gegen eine Biografie gesträubt hatte. Zusammen mit dem Schauspieler hat der Zürcher Filmpublizist Walter Ruggle dieses Buch angedacht. Es widmet sich seinem Leben und Schaffen, indem es den mehr als 100 Filmfiguren folgt, die er verkörpert hat.
«Schau Spiel Bruno Ganz» ist eine Hommage an den herausragenden Schauspieler und eine Dokumentation seiner Kunst.

Katzen (aka Büsis, Dachhasen, Fellnasen, Miezen, Pussys,Samtpfoten, Stubentiger etc.), Frauchen und Herrchen wissen das, sind eigenwillige Tiere. Und eigenwillige Tiere gehen gern spezielle Wege. Dazu benötigen sie selbstredend spezielle architektonische Gebilde – vor allem wenns darum geht, den heimischen Futternapf oder Lieblingsschlafplatz anzupeilen.
Solche Konstruktionen heissen Katzentreppen. Dass die banale Bezeichnung der tatsächlichen Sache selten gerecht wird, unterstreicht das Buch «Catwalk Stories» von Fotograf Francisco Paco Carrascosa, Grafiker Emanuel Tschumi und Kunsthistoriker Matthias Oberli. Die Kerls sind durch die Schweiz gezogen, haben die Objekte ihrer Begierde dokumentarisch eingefangenen, smart in Szene gesetzt – und da und dort in Zahlen, Fakten und hübsche Geschichten verpackt.
Ergänzt wird die originelle Katzenleiterli-Rundschau durch ein Sammelsurium an katziger Popkultur aus Motiven zwischen Nippes und Trash, frei nach demMotto: «Cat(ch) as cat(ch) can!»

Seit der Postmoderne sind Architektinnen, Historiker und Theoretikerinnen von einer seltsamen Faszination für faschistische Architektur ergriffen. Woher kommt diese Faszination? Andrew Santa Lucia und Daniel Jonas Roche reagieren mit ihrem Buch auf diesen jahrzehntelang gepflegten akademischen Fetisch. «Antifascist Architecture» ist der erste Versuch, eine brauchbare Definition antifaschistischer Architektur zu entwickeln, ausgehend von der Frage, wie antifaschistische Architektur aussieht und wer sie baut. Das Buch ist eine kaleidoskopische Bricolage über Menschen, die sich heldenhaft dem antifaschistischen Kampf angeschlossen haben, von Gebäuden, die im Namen des Antifaschismus errichtet wurden. Es ist auch ein «Ruf zu den Waffen» für eine antifaschistische utopische Zukunft.
Es ist geschrieben für Studierende und Praktiker der Architektur ebenso wie für Aktivisten und Sozialwissenschaftlerinnen, die sich für antifaschistische Geschichte, Theorie und Praxis interessieren.